Laut einer internationalen Studie von Vanson Bourne im Auftrag von Veritas Technologies verlieren Mitarbeiter durchschnittlich zwei Stunden pro Tag mit der Suche nach Informationen. Das entspricht einem Produktivitätsverlust von 16 Prozent – nicht weil die Daten fehlen, sondern weil sie verteilt sind: in unterschiedlichen Systemen, Ordnern, E-Mail-Verläufen und Köpfen.
Die Studie, für die 1.500 IT-Verantwortliche in 15 Ländern befragt wurden, zeigt noch mehr: 97 Prozent der Unternehmen geben an, durch ineffektives Datenmanagement bereits Chancen verpasst zu haben. 38 Prozent berichten, dass strategische Entscheidungen verzögert werden, weil die nötigen Informationen nicht rechtzeitig verfügbar sind. Die geschätzten jährlichen Kosten dieser Probleme liegen bei über zwei Millionen US-Dollar pro Unternehmen.
Was eine Single Source of Truth ist – und was nicht
Single Source of Truth, kurz SSOT, beschreibt ein Prinzip: Alle relevanten Unternehmensdaten werden so organisiert, dass es für jede Information genau einen verbindlichen Ort gibt. Nicht ein bestimmtes Tool, nicht eine bestimmte Software – sondern ein Organisationsmodell, das sicherstellt, dass alle Beteiligten auf dieselbe Grundlage zugreifen.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. In der Realität arbeiten Abteilungen mit eigenen Tabellen, Vertrieb und Marketing pflegen unterschiedliche Kundenlisten, und Produktinformationen existieren in mehreren Versionen – je nachdem, wer sie zuletzt bearbeitet hat. Die Folge sind nicht nur doppelte Arbeit, sondern widersprüchliche Informationen, die zu Fehlentscheidungen führen können.
Eine Single Source of Truth beseitigt diese Widersprüche. Nicht indem sie alle Daten in ein einziges System zwingt, sondern indem sie definiert, welche Quelle für welche Information die gültige ist. Jede Leistung hat genau eine Beschreibung. Jeder Prozess hat genau eine Zuständigkeit. Jede Kennzahl hat genau eine Berechnungsgrundlage.
Warum Datensilos so hartnäckig sind
Datensilos entstehen selten aus böser Absicht. Sie wachsen organisch – jede Abteilung entwickelt eigene Lösungen für eigene Probleme. Der Vertrieb baut eine Excel-Tabelle für Kundenkontakte, das Marketing erstellt eine eigene Produktübersicht, die Geschäftsführung arbeitet mit einer dritten Version der Umsatzzahlen. Jedes System funktioniert für sich. Aber keines spricht mit den anderen.
95 Prozent der Unternehmen berichten laut einer Erhebung im Auftrag von Veritas von langfristigen Folgen durch silobasiertes Datenmanagement: erhöhte Betriebskosten, eingeschränkte Agilität, sinkende Wettbewerbsfähigkeit. Die Ursache ist immer dieselbe – es gibt keinen gemeinsamen Referenzpunkt.
Für mittelständische Unternehmen ist dieses Problem besonders relevant. Während Konzerne spezialisierte Teams für Datenarchitektur beschäftigen, liegt die Verantwortung im Mittelstand oft verteilt – oder bei niemandem. Die Daten wachsen, die Systeme vermehren sich, aber eine übergreifende Struktur fehlt.
SSOT als Grundlage für den Digitalen Zwilling
Dieselbe Studie zeigt auch die andere Seite: Unternehmen, die in strukturiertes Datenmanagement investieren, berichten zu 70 Prozent von reduzierten Kosten und zu 69 Prozent von gesteigerter Mitarbeiterproduktivität. Die Investition in Struktur zahlt sich aus – messbar und konkret.
Im Kontext eines Digitalen Zwillings ist die Single Source of Truth das Fundament. Der Zwilling bildet nicht nur ab, was ein Unternehmen weiß – er organisiert es so, dass jede Information genau einen Ort, eine Definition und eine Verknüpfung hat. Wenn ein Vertriebsmitarbeiter eine Leistung nachschlägt, findet er dieselbe Beschreibung wie der Chatbot auf der Website. Wenn ein neuer Mitarbeiter einen Prozess verstehen will, greift er auf dasselbe Modell zu wie das Automationstool, das diesen Prozess unterstützt.
Das Prinzip der Single Source of Truth ist nicht neu. Was sich verändert hat, ist seine Bedeutung. In einer Welt, in der KI-Systeme auf Unternehmensdaten zugreifen sollen, reicht es nicht mehr, dass Menschen wissen, wo welche Information liegt. Die Information muss so strukturiert sein, dass auch Maschinen sie finden, verstehen und korrekt verwenden können. Der Digitale Zwilling schafft genau diese Struktur – und die Single Source of Truth ist sein Organisationsprinzip.
